

Das Treffen versammelte Experten aus Wissenschaft, Regierungen, internationalen Organisationen und dem Privatsektor aus verschiedenen Ländern: Dr. Adriaan Oelofse, Leiter für Forschung, Entwicklung und Innovation bei WINETECH, der einen Vortrag über das Konzept der intelligenten Weingüter hielt, Dr. Bernard Chen, Professor für Künstliche Intelligenz an der Universität Arkansas, Dr. Javier Ibáñez, Professor an der Päpstlichen Hochschule Comillas und Blockchain-Experte, Fabián Torres, Chefberater bei SICPA und Experte für Digitale Transformation und Leitung, und schließlich Olivier Oram, Blockchain-Experte und Gründer der digitalen Plattform Chainvine, die zur Senkung der Vertrauenskosten in der weltweiten Weinlieferkette beiträgt.

Es handelte sich um ein ganz besonderes Event für die OIV, da es einen Meilenstein im strategischen Fünf-Jahres-Plan markiert. „Seit ihrer Gründung 1924 hat sich die OIV stets dadurch ausgezeichnet, die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse und die innovativsten Instrumente, die die Technik den Menschen zur Verfügung stellt, zu nutzen“, sagte OIV-Generaldirektor Pau Roca bei seiner Eröffnungsansprache für das Symposium.
„Es war äußerst interessant zu sehen, wie neue Technologien uns dabei unterstützen können, einige der wichtigsten Probleme des Sektors anzugehen wie Nachhaltigkeit, Klimawandel, Rückverfolgbarkeit, Schutz gegen Betrug oder Resilienz“, folgerte Roca zum Abschluss des Treffens.
Als internationale wissenschaftlich-technische Organisation bemüht sich die OIV, allen Beteiligten Anregungen und Leitlinien zu vermitteln und dafür zu sorgen, dass dieser Wandel reibungslos und gleichberechtigt abläuft und dem gesamten Sektor, sei es Industrie, Verbraucher oder Regierungen, gleichermaßen zugute kommt.
PPT by Giorgio Delgrosso, Head of Statistics & Chief DigitalTransformation Officer
Hier sehen Sie die vorläufigen Ergebnisse des von der OIV-Beobachtungsstelle für Digitale Transformation erstellten Berichts über digitale Trends im Reben- und Weinsektor.

Für den Weinbausektor neu ist u.a., dass die Bedingungen für die Entalkoholisierung und die teilweise Entalkoholisierung von Wein offiziell festgeschrieben werden. Bei der Festlegung der neuen Rahmenvorgaben hat sich die EU an den Arbeiten der OIV, insbesondere an den Resolutionen OIV-ECO 523-2016, OIV-ECO 433-2012 und OIV-ECO 432-2012, orientiert.

In Zukunft kann bei den Weinbauerzeugnissen „Wein“, „Schaumwein“ und „Perlwein mit zugesetzter Kohlensäure“ zur Bezeichnung der Produktkategorie (verpflichtende Angabe) die Angabe „entalkoholisiert“ oder „teilweise entalkoholisiert“ hinzugesetzt werden. Eine vollständige Entalkoholisierung ist auf Erzeugnisse beschränkt, die nicht unter eine Ursprungsbezeichnung oder geografische Angabe fallen. Eine teilweise Entalkoholisierung ist dagegen für alle Weine, Schaumweine und Perlweine mit zugesetzter Kohlensäure zulässig.
Für den Alkoholgehalt von „entalkoholisiert“ zu „teilweise entalkoholisiert“ wurde der 2012 von der OIV angesetzte Grenzwert, nämlich 0,5 %, übernommen.
In Anlehnung an die OIV-Empfehlungen (OIV-OENO 394A-2012) wurden als Entalkoholisierungsverfahren, die den Äthanolgehalt in diesen Erzeugnissen teilweise oder fast ganz reduzieren, die partielle Vakuumevaporation und/oder Membrantechniken und/oder die Destillation zugelassen.
Der Weinbausektor ist innovativ und zeigt sich gegenüber den sich wandelnden Anliegen der Verbraucher aufgeschlossen, ohne auf Unverfälschtheit und Traditionsbewusstsein zu verzichten.
Die OIV-Mitgliedstaaten arbeiten derzeit an Rahmenvorgaben für besondere önologische Verfahren, die auf diese neuen Erzeugnisse anwendbar wären.Entrez votre texte

Man sagt, die Werke Galens von Pergamon (129–200/210) stellten nahezu ein Achtel der gesamten überlieferten griechischen Literatur von Homer bis zum Ende des 2. Jahrhunderts unserer Zeitrechnung dar. Und dies, obwohl zahlreiche seiner Traktate verloren gegangen sind und andere nur in Form von Übersetzungen ins Lateinische, Arabische und selten auch ins Hebräische erhalten sind.

Dank seiner gründlichen Kenntnis der klassischen Literatur und Philosophie und der sich daraus ergebenden sophistischen Gewandtheit konnte er sich in der Naturphilosophie auszeichnen. Sein ganzes Leben lang suchte er die medizinische Wissenschaft zu Kunstrang zu erheben, ohne jedoch die praktischen Fertigkeiten zu vernachlässigen, die er in Smyrna, Korinth, Alexandria und Pergamon vervollkommnete, wo er als Arzt der Gladiatoren tätig war1. Diese Suche nach einer edlen Verbindung zwischen Theorie und Praxis findet ihren vollendeten Ausdruck in der Behandlung des Weines, dem zahlreiche Stellen seiner Werke gewidmet sind.
Als berühmter Abkömmling der hippokratischen Tradition hat er deren Corpus eingehend kommentiert, insbesondere Über Diät bei akuten Krankheiten2. In dieser Überarbeitung verdichtet und erweitert er die strenge Klassifikation seines Vorgängers und nennt konkrete Weinsorten zur Veranschaulichung der wesentlichen hippokratischen Kriterien: Farbe, Geschmack, Substanz, Duft und gesundheitsförderliche Eigenschaften.
In einer Abhandlung über Gegenmittel unterscheidet Galen verschiedene Arten von Weinen: dichte, starke, schwache (oder wässrige), herbe, saure Weine, was ihn wiederum zu deren jeweiliger Lagerfähigkeit führt: mäßig für die „leichteren Weißweine“, beachtlich für die „starken, bitteren und vollen Weißweine“. Zwei Weine setzen sich deutlich von allen anderen ab: der Sorrentiner und der Falerner Wein.
„Muss man über Wein aus Surrentum überhaupt Worte verlieren? Jedermann weiß, dass er sich gut zwanzig Jahre ungealtert hält. Er erreicht seinen Höhepunkt in einem solchen Alter, bleibt lange Zeit gut trinkbar, neigt nicht dazu, bittere Noten anzunehmen, und ist gleichwertig mit einem Falerner.“
Galen, Über Gegenmittel I. 3 3
In zahlreichen seiner Schriften betont Galen die Bedeutung des „Terroirs“, des spezifischen Anbaugebiets, hinsichtlich der Lagerfähigkeit eines Weines. Auch wenn er nicht der erste Arzt war, der die therapeutischen Anwendungsmöglichkeiten des Weines pries, so setzte er sich jedoch durch die äußerst akkurate Beschreibung der spezifischen Eigenschaften einer Vielzahl von Weinen ab. Eine solche Strebsamkeit ließ ihn zu einem der ersten aufgeklärten Weinliebhaber in der Geschichte des Denkens werden4.
So wie die meisten von uns, legte er einen gewissen geschmacklichen Chauvinismus an den Tag, den er jedoch durch unersättliche Neugier überwinden konnte. Abgesehen von den Weinen aus Kleinasien erkennt er den Wert der italienischen Erzeugnisse an und äußert mehrmals eine besondere Schwäche für den berühmten Falerner Wein. Galen spricht von einem Wein mit beeindruckendem Bouquet, das sowohl die Objektivität eines Weinkenners als auch das subjektive Wohlgefallen eines Liebhabers zu stimulieren weiß. Und auch wenn, wie er bemerkt, Worte nicht ausreichen, um die sinnlichen Empfindungen zu beschreiben, gelingt es dem Wein doch, Verstand und Gefühle zueinander zu führen. Der Beweis: Wenn man einen Wein zum ersten Mal kostet, den man eigentlich nur aus einer einfachen Beschreibung kennt, kann man ihn durchaus erkennen. Dieselbe Beschreibung ist sogar in der Lage, die Weinprobe zu einem ganz besonderen und prägenden Erlebnis werden zu lassen5.
Galen hebt in der Kategorie der Prestigeweine aus dem Falernergebiet zwei Sorten auf Grund ihres runden und lieblichen Charakters hervor und betont diesen insbesondere für den „Faustinum“ genannten Wein6. Diese Süße bildet das Gleichgewicht zwischen einer adstringierenden und einer bitteren Note, den beiden anderen Geschmacksrichtungen, nach denen Galen Wein einstuft. Der Geschmack jedoch offenbart die Konsistenz und die gesundheitsförderlichen Eigenschaften eines Weines. So erweist sich der dichte und liebliche Faustinum-Wein als ideale Rezepturzutat bei der Herstellung von Gegenmitteln, insbesondere von Theriak, dem Antidot schlechthin7.
Galens kleines Handbuch Das Buch von den Weinen verdient es, eigens besprochen zu werden: Das äußerst kompakte Werk steht in der klassischen hippokratischen Tradition und wurde später immer wieder übernommen, als eine Art Leitfaden der medizinischen Literatur über Wein8. Galen untersucht vorrangig die Substanz verschiedener Arten von Wein, wobei er mit dem klarsten beginnt, den „man als wässrig bezeichnet“, auf Grund der Ähnlichkeit mit Wasser in Farbe und Konsistenz, aber auch, so erklärt er nachgehend, wegen des wenig adstringierenden Charakters. Der Geschmack ist etwas fade und Galen rät davon ab, ihn mit einer größeren Menge Wasser zu verdünnen, damit der spärlich vorhandene Weincharakter nicht ganz verloren geht9. Seine harntreibende Wirkung ist auf die schnelle Aufnahme in den Körper zurückzuführen. Im Unterschied zu Wasser ist dieser Wein dennoch nicht von „kalter Natur“, selbst wenn sich sein Temperament im Vergleich zu anderen Weinen eher gemäßigt zeigt. Dieser klare Wein stärkt die Lungen und verflüssigt die Körpersäfte (und nicht nur das Blut), sein ruhiges Temperament eignet sich auch für Fiebererkrankte – im Gegensatz zu anderen Weinen und unreinem Wasser – und für junge Menschen sowie cholerisch veranlagte Personen, bei denen das warme und trockene Temperament vorherrscht. Dieser Wein verursacht keine Kopfschmerzen und schützt vor plötzlich auftretenden Blähungen10. Galen geht dann zu einer gegensätzlichen Beschreibung süßer und reicher Weine über.
Diese Gegensätzlichkeit ermöglicht eine Suche nach der vollständigen Abstimmung zwischen der menschlichen Natur und der Substanz des Weines, die man dann bei seinen Nachfolgern wiederfindet. Für die vormodernen Gelehrten ging die Erforschung der Harmonie zwischen Wein und Weintrinker weit über das hinaus, was uns heutzutage so sehr beschäftigt, d.h. der Einklang von Gerichten mit den passenden Weinen. Diese Nähe zwischen Wein und menschlichem Körper im metamorphischen Sinn, das war es, was Galen inspirierte. So konnte er die physiologischen Mechanismen erklären, wie zum Beispiel in Form einer Parallele zwischen Blutbildung und Weinherstellung11.
Galen verwendete diesen Vergleich, um die Bildung der Säfte und Temperamente sowie auch die Essigeigenschaften der schwarzen Galle oder von Essig zu erklären, welche eine ätzende Wirkung auf den Magen ausübten (Über die natürlichen Fähigkeiten, II.9). Der Wein folge somit den Körperbewegungen, dem guten Funktionieren des Körpers, optimaler Blutbildung, und finde einen Gegensatz in der potenziellen Verschlechterung der Körpersäfte durch Falschsubstanzen.
Für Galen sind der Geschmack und die Blume eines Weines untrennbar verbunden mit seiner Substanz, die den Charakter und die Komplexität eines Weines ausmacht. Die Weinkenntnisse und die Suche nach unterschiedlichen Möglichkeiten, darüber zu sprechen, sind weit davon entfernt, den sinnlichen Charakter der Erfahrung einer Weinprobe abzuschwächen, sondern eröffnen im Gegenteil den Zugang zu subtileren Dimensionen. Abgesehen vom rein physischen Phänomen einer Weinprobe, erquickt diese eine Seele, die erzwungenermaßen den Körpertemperamenten unterliegt12. So erlaubt der Wein es Galen, sich sowohl als Diener der Heilkunst als auch als Sprachrohr der Moralphilosophie auszudrücken.
------------------------------------------
1 Für eine Darstellung von Galens „Heilkunst“ siehe die Einführung von Véronique Boudon zu ihrer Ausgabe Galien, Band 2, Paris, Les Belles Lettres, 2000, S. 168-170; 224-252.
2 Siehe Wesley D. Smith, The Hippocratic Tradition, Ithaca, N.Y., Cornell University Press, 1979, insbesondere Kapitel 2, „Galen’s Hippocratism“, S. 61-176.
3 De antidotis. Übersetzung ins Deutsche nach Kühn XIV, 14-19.
4 Siehe die Einführung zu den Werken Galens von Véronique Boudon, s.o., Band. 2, Paris, Les Belles Lettres, 2000, S. 168-170; 224-252.
5 Galen, De dignoscendis pulsibus (Über die Pulsdiagnose) 11, siehe Kühn VIII, 774-5.
6 Galen, Methodus medendi (Die therapeutische Methode) XII 4, siehe Kühn X, 832.
7 Galen, De antidotis (Über Gegenmittel) I 3, siehe Kühn XIV, 20.
8 Dieser Text findet sich in zahlreichen Werken aus dem Mittelalter, u.a. mss. Paris, BnF Lat. 6865, fol. 53vb-54va; N.A.L. 343, fol. 69r-70r. (fol. 74-107 für De alimentis), und sein Inhalt weicht in der hier verwendeten Ausgabe nur geringfügig ab (Ausgabe Venedig 1490, in: Galen, Opera, Band 1, fol. 135vb-136rb).
9 Galen, Le livre des vins, Ausgabe Venedig 1490, Band 1, fol. 136rb.
10 Galen, De facultatibus naturalibus (Über die natürlichen Fähigkeiten) III.15.
11 Galen, IV.3. Der französische Originalartikel stützt sich auf die Übersetzung von Charles Daremberg in: Œuvres médicales choisies, Band 1, S. 281-282. De l’utilité des parties du corps humain.
12 Galen, Quod animi mores corporis temperamenta sequantur (Dass der Charakter der Seele den Temperamenten des Körpers folgt). Der französische Originalartikel stützt sich auf die Übersetzung von Barras Birchler Morand, 2004, § 1; 3 (Que les facultés de l’âme suivent les tempéraments du corps).


Am 2. Dezember reiste OIV-Generaldirektor Pau Roca zu einer Tagung zum Thema „Nachhaltiger Weinbau: Rolle der Agrarökologie und Bodenbewirtschaftung“ ins Umland von Montpellier; dabei ging es auch um eine Stärkung des gegenseitigen Verhältnisses zwischen OIV und der „4 per 1000“-Initiative, deren Exekutivsekretär Paul Luu anwesend war.
Die Tagung fand auf dem Weingut Notre Dame du Quatourze aus dem Besitz von Georges Ortola statt, der einen Überblick über die auf seinen Flächen betriebenen agrarökologischen Verfahren wie Begrünung zwischen den Rebzeilen, eingeschränktes Pflügen, Rückführung des Rebschnittholzes in den Boden, Beweidung usw. gab. Die Bedeutung eines ordnungsgemäßen Rebschnitts betonte auch der Leiter des Staatlichen Zentrums für Agrarökologie („Centre National d’Agroécologie“) Alain Canet, der eindringlich anmerkte, dass der Rebschnitt zunehmend Probleme auf den Rebflächen bereite, die sich negativ auf die Gesundheit der Rebstöcke auswirkten. Florence Jard vom Verband „Pour une Agriculture du Vivant“ („Für eine Landwirtschaft des Lebendigen“), der sich für die Umstellung der gesamten Lebensmittelerzeugung auf agrarökologische Praktiken einsetzt, gab Erläuterungen zum Regenerationsindex bei Anwendung auf Rebflächen; anhand dieser Zahl lässt sich der agrarökologische Leistungsstand eines Betriebs einschätzen.
"Allen gemeinsam ist die Einsicht, dass es dringend notwendig ist, entsprechende Praktiken an die gesamte Branche zu vermitteln."
Das Treffen ermöglichte einen ergiebigen Erfahrungsaustausch zwischen Akteuren, die im Alltag agrarökologisch arbeiten, und Vertretern des institutionellen Bereichs. Allen gemeinsam ist die Einsicht, dass es dringend notwendig ist, entsprechende Praktiken an die gesamte Branche zu vermitteln. Bei der OIV, die über die Kommission Weinbau unter der Leitung von Alejandro Fuentes Espinoza ebenfalls am wissenschaftlich-technischen Ausschuss der „4 per 1000“-Initiative mitwirkt, nimmt man diesen Themenkomplex sehr ernst.

Am 19. Januar 2022 kamen der OIV-Vorstand und die „4 per 1000“-Initiative erneut zusammen, um die Modalitäten für eine entsprechende Zusammenarbeit zu klären. Zu diesem Anlass gab die OIV-Forschungsbeauftragte Anne Reutin einen Überblick über ihre Arbeiten zum Thema Chancen/Risiken durch den CO2-Fußabdruck im Weinbausektor; sie stellte klar, wie wichtig ein bewussterer Umgang mit diesen Fragen in Politik, Technik und Wissenschaft sei. Beide Institutionen planen, zusammenzuarbeiten und Schwerpunkte für die Arbeiten und den Erfahrungsaustausch zu setzen, damit das bedeutsame Thema Bodengesundheit und -sicherheit weltweit weiter vorankommt.
Seitennummerierung
- Erste Seite
- Vorherige Seite
- …
- 265
- 266
- 267
- 268
- 269
- 270
- 271
- 272
- 273
- …
- Nächste Seite
- Letzte Seite